Pierre Ramus Gesellschaft - über uns

Übersicht


I. Aktivitäten der Pierre Ramus Gesellschaft

Die Pierre Ramus-Gesellschaft wurde von Dr. Dieter Schrage 1992 anläßlich des 50-ten Todesjahres von Pierre Ramus ins Leben gerufen. Seit 1993 erscheint unregelmäßig die "Erkenntnis. Zeitschrift der Pierre Ramus-Gesellschaft", die sich um eine Aufarbeitung sowohl klassischer als auch aktueller Themen  aus dem Blickwinkel der libertären Position  annimmt.

Das I. Pierre Ramus-Symposion fand im November 1992 im Republikanischen Club in Wien statt. Mitwirkende waren: Gerfried Brandstetter, Ferdinand Groß, Ottwald John, Adi Rasworschegg, Dieter Schrage, Gerhard Senft, Peter Stipkovics sowie Karl Flanner und Victor Matjeka mit aufgezeichneten Beiträgen.

Das II. Pierre Ramus-Symposion fand im November 1995 im Wiener Literaturhaus statt. Mitwirkende waren: Maria Böhmberger, Ferdinand Groß, Helmut Hafner, Adi Rasworschegg, Dieter Schrage, Gerhard Senft, Frederic Serre, Herbert Steiner, Peter Stipkovics  und Vaclav Tomek.

Die III. Veranstaltung der Pierre Ramus-Gesellschaft fand unter dem Titel "No Pasaran" im Dezember 1996 anläßlich des 60. Jahrestages der Spanischen Revolution im Kulturzentrum Siebenstern statt. Mitwirkende waren: Francisco Comellas, Gundl Herrnstadt, Gert Hoffmann, Ottwald John, Hans Landauer, Dieter Schrage, Gerhard Senft und Peter Stipkovics.  

Das IV. Pierre Ramus-Symposion fand unter dem Titel “Pierre Ramus und die Friedensbewegung” im Mai 2003 im Kulturzentrum Siebenstern in Wien statt. Mitwirkende waren: Ottwald John, Adi Rasworschegg, Dieter Schrage, Gerhard Senft, Peter Steyrer und Peter Stipkovics.

Das V. Pierre Ramus-Symposion fand unter dem Titel „Stell dir vor, es sind Wahlen – und keiner geht hin! Anarchismus und Parlamentarismus“ im April 2006 im Republikanischen Club in Wien statt. Mitwirkende waren: Thomas Iffert, Ottwald John, Dieter Schrage, Gerhard Senft und Peter Stipkovics.

Das VI. Pierre Ramus-Symposion fand unter dem Titel „Revolution und Rätedemokratie. Politische Aufbruchbewegungen in Bayern, Österreich und Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg“ im November 2008 im Institut für Wissenschaft und Kunst in Wien statt. Mitwirkende waren: Hans Hautmann, Franz Hütterer, Ottwald John, Ulrike Makomaski, Dieter Schrage, Gerhard Senft und Andrea Pauli.

Das VII. Pierre Ramus-Symposion fand unter dem Titel „Subjektivität und sozioökonomische Konzepte der Moderne“ am 10. und 11. September 2010 an der Wirtschaftsuniversität in Wien statt. Mitwirkende waren: Friedrich F. Brezina, Ernst Gerhard Eder, Josef Dvorak, David Kergel, Martin A. Koenig, Amelie Lanier, Hermann Rauchenschwandtner, Dieter Schrage, Maurice Schuhmann und Gerhard Senft. (Gemeinsame Veranstaltung mit der Max Stirner-Gesellschaft, Leipzig).

Das VIII. Pierre Ramus-Symposion fand unter dem Titel „Anarchismus zwischen Gewalt und Gewaltlosigkeit“ am 18. und 19. November 2011 in der Anarchistischen Bibliothek in Wien statt. Mitwirkende waren: Renate Gippelhauser, Ottwald John, Hansjörg Liebscher, Erwin Leder, Andreas Pavlic, Andreas Pittler, Rolf Schwendter, Gerhard Senft und Peter Stipkovics.

Die Pierre Ramus-Gesellschaft setzt sich zum Ziel, das gedankliche Erbe Pierre Ramus mit aktuellen Bezügen herauszuarbeiten und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei sollen vor allem folgende Themen Beachtung finden:

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Senft, Gerhard: Im Vorfeld der Katastrophe. Die Wirtschaftspolitik des Ständestaates. Österreich 1934 bis 1938. Vergleichende Gesellschaftsgeschichte und politische Ideengeschichte der Neuzeit, Band 15, Braumüller Universitätsverlag, Wien 2002

II. Positionen der Pierre Ramus Gesellschaft

Wirtschaftsordnung

Seit dem Zusammenbruch des "real existierenden Sozialismus" ist es besonders evident geworden: Auch der "übrig gebliebene" Kapitalismus hat seine häufig gepriesene Problemlösungskapazität eingebüßt. Wirtschaftskrisen, ökologische Defekte und Phänomene wie die "Neue Armut" bestehen innerhalb eines weltumspannenden Kapitalismus als unüberwindliche Hürden.

Das Gesicht des kapitalistischen Systems ist bestimmt von verschiedenen Formen des Monopolismus (Monopoleigentum, Grund und Boden), die ausbeuterische Beziehungen in der Ökonomie möglich machen. In Zeiten schrumpfender Nachfrage auf den Arbeitsmärkten steigern z. B. monopolisierte Verfügungsrechte über die Produktionsmittel die Macht der Unternehmerseite. Lohndruck, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und eine Schwächung der Gewerkschaften sind die Folgen.

Zu definieren ist der Kapitalismus als ein Gesellschaftssystem, in dem das Kapital (Geld- und Sachkapital) den dominierenden Produktionsfaktor bildet. Davon zu unterscheiden wäre der Begriff der Marktwirtschaft, mit dem eine Ordnung beschrieben wird, deren Funktionsweise von "Marktsignalen" wie etwa dem Preis (als Knappheitsindikator) bestimmt wird. Annäherungswürdig erscheint nach Ramus jenes ökonomische Modell, in dem die Vorteile eines monopolbereinigten Marktsystems mit assoziativen Formen des Wirtschaftens (Genossenschaften, Arbeiterselbstverwaltung) kombiniert werden. Für den industriellen Bereich sah Ramus die beste Lösung im Aufbau eines "Gildensozialismus", in dem der gesamte Produktionsmittelbestand von branchenmässig gegliederten und demokratisch kontrollierten Selbstverwaltungskörpern übernommen wird. Diese sollten der Bevölkerung die erforderlichen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Über den gesellschaftlich notwendigen Arbeitsumfang hätte ein sog. "Arbeitsrat für Statistik" Aufschluß geben sollen, der allerdings nur Informationen zu liefern, aber keinen Einfluß auf die Produktion auszuüben gehabt hätte. Pierre Ramus trat damit für eine Form der Wirtschaftsgestaltung ein, die dem nach 1945 verwirklichten französischen Modell der "Planification" ähnelt. Expertenstäbe und Statistiker erarbeiteten demnach Bedarfstabellen und Prognosen, anhand  derer die Unternehmen ihre kurz- und mittelfristigen Entscheidungen orientieren konnten.

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Schrage, Dieter: Wie ich noch einmal über die Stränge schlagen wollte und dabei vom Regen in die Traufe kam. Werner Eichbauer Verlag, Wien 1996

 

Geld und Verteilung

Der Weg des Geldes von der Banknotendruckmaschine bis zum Geldausgabeautomaten läßt den technischen Aspekt des modernen Zahlungsmittels deutlich hervortreten. Geld ist also - ganz nüchtern betrachtet - als eine Technologie zu beschreiben, die den Austausch zwischen ökonomisch handelnden Personen vermittelt, insbesondere der Informationsfindung und der Kommunikation dient. Der Stellenwert des Geldes ist aber auch durch seine Wirksamkeit als zentrales Steuerungsmedium in Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt; ein damit verbundener Herrschaftsaspekt ist damit unübersehbar. Die heute bestehende Geldordnung ist nicht nur in gefährlicher Weise krisenanfällig, wie in den monetären Konjunkturtheorien anschaulich dargestellt, sie führt über die "Privatsteuer" Zins auch zu einer sozial unausgewogenen Vermögensverteilung. Gelderträge fließen - vom öffentlichen Sektor nur unzureichend erfaßt - dort am meisten zu, wo bereits große Vermögen akkumuliert existieren. Massive soziale Ungleichgewichte sind damit vorprogrammiert. Besonders in Phasen, in denen die spekulativen Aktivitäten sich ausweiten, fordert das Finanzkapital mehr Zins, als der Produktionssektor zu erarbeiten imstande ist. Selbst wissenschaftlich geschulte Ökonomen müssen inzwischen zugeben, dass das bestehende Geldsystem seit geraumer Zeit nicht mehr imstande ist, die "wirtschaftliche Realität" abzubilden.

Im Zeitalter des elektronischen Nachrichtenaustausches wird kaum jemand auf das Mittel der Rohrpostanlage zurückgreifen. Aber auch das Geld ist als Technologie verbesserbar. Dem Aspekt, dass heute die öffentlichen Haushalte in besonders hohem Ausmaß von der Zinsentwicklung betroffen sind, versucht das Solidarkredit-Modell entgegenzuwirken. Grundgedanke ist dabei, dass die Zinszahlungen nicht beim Kreditnehmer „öffentliche Hand“, so ferne er auch Investor ist, hängen bleiben sollen. Da das „Kommunikationsmittel“ Geld nach einem Investitionsinput von Kassa zu Kassa wandert, ist nicht einzusehen, warum alleine der investierende Kreditnehmer Kosten und Risiko gegenüber dem Gläubiger zu vertreten hat. In dem vorgeschlagenen Modell der Vergabe von Solidarkrediten sind die anfallenden Kredit- und Transaktionskosten mit der Liquidität weiterzugeben. Konkret bedeutet dies, dass die monetären Mittel von Banken, die im Rahmen einer Solidarkreditaktion tätig werden, auf herkömmlichen Geld- und Kapitalmärkten zu den üblichen Bedingungen beschafft werden. Auf speziell kodierten Konten wird das Geld dann als Kreditvolumen im jeweils erforderlichen Umfang bereitgestellt. Dabei hat der Investor, im gegebenen Fall die öffentliche Hand, nicht im vollen Umfange für die Zinszahlungen aufzukommen, sondern nur so lange, wie das Geld auf dem Konto bereitsteht. Mit der realen Investition, also mit der Weitergabe des Geldes – etwa an beauftragte Unternehmen – werden die anfallenden Liquiditätskosten weitergegeben, so dass dem öffentlichen Haushalt zumindest eine Reduktion des Zinsaufkommens garantiert ist.

Besonders zu beachten ist im gegebenen Zusammenhang auch die Schuldenfalle, die sich im Rahmen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen nach 1945 herausgebildet hat. In den Ländern der "Dritten Welt", denen der Kapitalismus lange Zeit als "Entwicklungshilfe-Instrument" schlechthin empfohlen wurde, hat der Weg einer gedankenlosen "Modernisierung" eindeutig seine Zukunftsfähigkeit verloren. Es ist heute die Frage zu stellen, ob die aus dem Zeitalter des klassischen Imperialismus stammenden Verheerungen überhaupt noch reparabel sind. Ursprünglich funktionierende soziale Strukturen sind zerstört, Almosen und "Entwicklungshilfe" nutzten mehr den "Gebern" als den "Nehmern". Im Vordergrund steht zur Zeit das Schuldenproblem der "Dritten Welt". Zins und Zinseszins beschleunigen den Lauf der Schuldenspirale, zwischen 1987 und 1992 erhöhte sich der Forderungsbestand der Gläubigerstaaten von rund 1.000 Mrd. US-Dollar auf etwa 1.500 Mrd. US-Dollar; inzwischen ist die 2.000 Mrd. Dollar-Grenze überschritten. Der Erlaß von Schuldenrückzahlungen kann unter den gegebenen Umständen nur eine erste Maßnahme zur Entschärfung der Situation  darstellen.

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Senft, Gerhard: Weder Kapitalismus noch Kommunismus. Silvio Gesell und das libertäre Modell der Freiwirtschaft. Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte, Band 3, Libertad Verlag, Berlin 1990

Wohnen, Grund und Boden

Grund und Boden wird von jedem Menschen benötigt wie das Trinkwasser oder die Atemluft. Zum Problemfall wird der Faktor Grund und Boden dann, wenn der Zugang zu diesem Faktor durch die Institution des Privateigentums monopolistisch eingeschränkt wird. Beim ersten Hinhören mag dies nun paradox klingen: Wie kann durch Privateigentum der Monopolismus gefördert werden? - Doch die Zusammenhänge lassen sich anhand eines Beispiels leicht deutlich machen. Viele werden die Situation in einem öffentlichen Schwimmbad kennen: Mensch springt ins Wasserbecken, schwimmt einige Längen, geht wieder raus und versucht sich auf einer der umstehenden Liegebetten auszuruhen. Aber, siehe da, die Liegen sind alle besetzt, entweder gerade von anderen Personen belegt oder mit einem Handtuch bzw. einer Badetasche als nicht benutzbar markiert. Man wird wenig dagegen einwenden können, wenn gerade ein Ruhebett in Verwendung ist, problematisch wird es dann, wenn ein öffentliches Gut - die Liege - mit einem Handtuch oder einem anderen Ding „privatisiert“ wird. Die Konsequenzen sind klar: ein nur knapp vorhandenes Gut wird durch die „Privatisierung" noch knapper und eine Fülle von „Marktteilnehmern“ wird so von der Benützung ausgeschlossen. In der „sozialen Realität“ des Schwimmbades ist eine Lösung des Problems in Sicht. Es genügt eine Beschwerde beim zuständigen Bademeister, und die unbenützten, jedoch besetzten Liegebetten können frei gemacht werden. - Die „Verfassung“ d. h. die Ordnung in den  öffentlichen Schwimmbädern sieht dies ganz klar so vor. In der sozialen Realität der modernen Welt sehen die Dinge anders aus. Der Faktor Grund und Boden, den, wie gesagt, jeder Mensch für seine Existenz benötigt wie das Trinkwasser oder die Atemluft, wird heute überwiegend als "frei bewegliches" erwerbbares Gut behandelt, mit der Folge, dass nur wenige Menschen dazu ein unmittelbares Verfügungsrecht besitzen. Über das Privateigentum wird somit, wie durch einen Flaschenhals, der Zugang zum Grund und Boden monopolistisch eingeschränkt. Versuchen wir uns die Dimensionen zu veranschaulichen: Wäre unsere Erde mit ihren inzwischen über sechs Milliarden Menschen ein Dorf mit 100 Familien, dann besäßen nur sieben Familien 60 Prozent des fruchtbaren Ackerlandes.  

Der Eigentümer des Bodens hat den Vorteil, durch sein Verfügungsrecht einen Monopoltribut einfordern zu können. Besitzt jemand beispielsweise ein Stück Land in einer Randlage der Stadt Wien, so bestehen verschiedene Möglichkeiten: Es könnte auf dem Grundstück ein Wohnhaus gebaut oder ein Gewerbebetrieb eröffnet werden - oder das Grundstück wird nur verpachtet, etwa an einen Gebrauchtwagenhändler. Dieser parkt darauf einige seiner Ausstellungsobjekte und einen Wohnwagen, den er als Büro benutzt. Von dem Autohändler fließt für die Benutzung des Bodens dem Eigentümer regelmäßig  ein Pachtzins zu. Der Zutritt zum Monopolgut Grund und Boden wird so in einer Privateigentumsordnung mit einem Tribut belegt, der Eigentümer kommt zu einem arbeitslosen Einkommen. Im Gegensatz zu jedem Unternehmer, der von Zeit zu Zeit sein Realkapital erneuern muß, im Gegensatz zu jedem Hausbesitzer, der von Zeit zu Zeit sein Dach flicken lassen muß, bezieht der Grundrentner ein Einkommen, das nicht durch Reinvestitionsmaßnahmen geschmälert wird. Der Pachtzins wird umso höher sein, je höher die Bodengüte ist und je geringer die sogenannte Marktferne gegeben ist.

Dazu kommt: Grund und Boden ist ein unvermehrbares Gut. Je mehr Menschen die Erdoberfläche bevölkern, umso knapper muß der Boden werden. Das bedeutet, dass es durch die Verknappung zu Wertsteigerungen des Bodens kommt, die sich für den Eigentümer natürlich ebenfalls pekuniär auswirken müssen. Neben den Bodenpreissteigerungen, die sich beim Verkauf von Grundstücken für den Eigentümer realisieren, kommt es immer wieder auch zu beträchtlichen Spekulationsgewinnen. Als etwa Ende der 80er Jahre in Wien eine Weltausstellung geplant wurde, vervielfachten sich in einigen Stadtregionen die Bodenpreise. Man kann sagen, dass es in Wien zwischen 1990 und 1993 zu einer Verdreifachung der Grundstückspreise kam - und das, nachdem das Weltaustellungsprojekt bereits langsam zurückgestellt worden war. Auch in der Stadt Salzburg explodierten die Bodenpreise geradezu: Im Jahr 1981 kostete ein Quadratmeter eines Grundstückes noch durchschnittlich Euro 92,7.-, fünf Jahre später waren es Euro 148.-, 1991 dann Euro 225.- und 1992 schließlich schon Euro 320.-. Damit ergibt sich für eine Zeitspanne von elf Jahren eine Steigerung um 245 Prozent. (Studie: Hitsch & Hölzl Immobilien Consulting, 1992).

Die steigenden Bodenkosten hat selbstverständlich der Durchschnittsverbraucher, etwa bei der Bezahlung seiner Wohnmiete, zu berappen. Mit dem Privateigentum an Grund und Boden wird ein Zustand zementiert, der besonders in Zeiten steigender Wohnungskosten als sozial unverträglich bezeichnet werden muß. Zu Recht titelte die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ im September 1992: „Der private Wohnungsmarkt ist fast nur für die Reichen.“ Obwohl das öffentliche Bewußtsein in der Bodenfrage reichlich unterentwickelt ist, hat man in einigen Ländern bereits auf der politischen Ebene zu reagieren begonnen. So unzulänglich manche der eingeleiteten Maßnahmen auch erscheinen mögen, eine Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen. In Dänemark wird über eine entsprechende Bodenbevorratungspolitik und über die Aufstellung von Bebauungsplänen eine vorausschauende Bodenbewirtschaft durchzusetzen versucht, Hausbesitz und Grundbesitz unterliegen zudem einer getrennten Besteuerung. In den Niederlanden wurden erleichterte Enteignungsverfahren gesetzlich verankert, die Vorkaufsrechte der Gemeinden bei Grund und Boden gestärkt und die Kommunalisierung von Grundstücken insgesamt stark forciert.

Es wird nicht zu leugnen sein, dass sich das Boden-Problem in den Ländern der „Dritten Welt“ besonders drastisch offenbart. Noch immer ist in diesen Regionen Grund und Boden der Produktionsfaktor Nummer 1. Die strukturellen Gegebenheiten sind stark geprägt durch den Großgrundbesitz, die monopolistische Ausrichtung tritt wesentlich klarer zutage. Zahllose kleine Pächter, sei es etwa in Lateinamerika oder in Indien, sind der Willkür der ländlichen Elite unterworfen. Vergleichbar der Einhegungsbewegung in Europa im Zeitalter der Industrialisierung, die Legionen von Kleinbauern ihrer Existenz beraubte, bestimmt heute der Großgrundbesitz in der „Dritten Welt“ über den Zugang zu Grund und Boden und über die meist einseitige Orientierung in der Agrarproduktion. Nicht die Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung stehen im Vordergrund, sondern eine auf Monokultur basierende Landwirtschaft, die von den Zwängen eines Weltmarktes dominiert wird.

An der Schwelle zum 19. Jahrhundert hatte der Bevölkerungstheoretiker Thomas Robert Malthus folgende These aufgestellt: "Wird ein Mensch in eine Welt, die schon besetzt ist, geboren, und seine Eltern können ihn nicht ernähren, und die Gesellschaft benötigt seine Arbeitskraft nicht, so hat er kein Recht auf die kleinste Portion Nahrung. Am opulenten Festmahl der Natur kann er nicht teilhaben, es gibt für ihn keinen leeren Platz am Tisch. Die Natur fordert ihn auf zu gehen und sie führt diesen Befehl selbst aus."  Diese Anschauung scheinen viele Wirtschaftswissenschaftler auch heute noch zu vertreten. Malthus und seine Apologeten hatten jedoch nicht berücksichtigt, dass das Problem weniger in der Zahl der ErdenbürgerInnen liegt, als in der Frage der Existenzsicherung der wachsenden Bevölkerung im Zusammenhang mit der Eigentumsverfassung. Für Pierre Ramus stand fest, dass es in erster Linie darauf ankomme, monopolistische Strukturen auf allen Ebenen der Ökonomie zu durchbrechen, um so Existenzbedingungen sicherzustellen. Ist die durch das Privateigentum an Grund und Boden bedingte flaschenhalsartige Verengung einmal beseitigt, ist der bedarfsgerechte Zutritt zu Grund und Boden eröffnet. Somit dürfte auch die Gewährleistung einer entsprechenden Subsistenzmittelbasis keine Schwierigkeit mehr darstellen.

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Nachsatz: Eine Überführung der Grundrente in den Bereich der öffentlichen Hand würde deren Finanzierungsspielräume beträchtlich erweitern, etwa in Hinsicht auf die Einführung eines garantierten Grundeinkommens. In den letzten Jahrzehnten ist klar geworden, dass das Arbeitsethos puritanischer Herkunft seine Zugkraft nicht beibehalten wird. Mehr Zeit zum Leben und weniger Zeit für Arbeit ist ein unverkennbarer Wunsch vieler Menschen in unserer Gesellschaft geworden. Die ökonomischen Verhältnisse sind heute so gelagert, dass solchen Ansprüchen unschwer Rechnung getragen werden kann. Die hohen technischen Standards lassen den Produktionsfaktor Arbeit immer mehr verzichtbar erscheinen. Soziale Integration wird in der Zukunft immer weniger durch Teilnahme am Arbeitsprozess gesichert sein. Es ist daher sinnvoll, "Teilnahme" am gesellschaftlichen Prozess über ein Grundeinkommen ohne Arbeit sicherzustellen. Übrigens: Traditionelle Vollbeschäftigungspolitik in der westlichen Welt würde, wie seriöse Studien ergeben, jährlich  mehr als 5 Prozent Wirtschaftswachstum erfordern. Das Anpeilen solcher Wachstumsraten ist illusorisch und mit ökologischen Zielsetzungen völlig unvereinbar.    

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Maierbrugger, Arno: Federkiel und Meinungsmacht. Kunstkritik im österreichischen Feuilleton der Zwischenkriegszeit. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien-St. Johann 1995

 

Geschlechterbeziehungen, Reformpädagogik und "Moderne Schule"

Jene Macht den Herrschenden zu entziehen, die in der Unwissenheit des Volkes liegt, zählte der Aufklärer Pierre Ramus zu seinen vordringlichsten Anliegen. Für Ramus galt es in diesem Zusammenhang, besonders die herkömmliche Schule als  zentrales Disziplinierungsinstrument zu enttarnen, und übereinstimmend mit dem spanischen Anarchisten Francisco Ferrer meinte er: "Physisch, geistig und moralisch kerkert die Schule Kinder ein, um die Entwicklung in gewünschte Pfade zu lenken." Gefördert wird im schulischen Rahmen primär jener Typus, der seine Kraft und seine Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse einzusetzen bereit ist. Sich manipulieren zu lassen und auf mehr oder weniger "sanften Druck" zu reagieren wird so von Kindesbeinen an gelernt. Nach dem libertären Prinzip ist aber nur die freie, der Spontanität des Kindes entsprechende Schule geeignet, den einzelnen zu einem selbstbestimmten Erwachsenendasein finden zu lassen.

Pierre Ramus´ Konzeption einer freien Gesellschaft setzt auch veränderte Formen der Geschlechterbeziehungen und des Zusammenlebens voraus. "Die Veränderung der Familie zum Träger einer neuen Kultur erfordert im wesentlichen eine Veränderung nicht der äußeren Struktur der Familienform, sondern vielmehr der inneren Struktur des Familienverbandes, das heißt der zwischenmenschlichen Beziehung. Diese Forderung beinhaltet  drei verschiedene Aspekte: Erstens die Abschaffung des Patriarchates, zweitens die Gleichstellung von Mann und Frau, drittens eine neue Qualität der Eltern-Kind-Beziehung." (Ilse Schepperle)

Eine praktische Konsequenz aus Ramus´ Bemühen um eine neue (nicht-repressive) Qualität der partnerschaftlichen Beziehung war z. B. sein Eintreten für die Vasektomie (=Sterilisation des Mannes als Beitrag zur Empfängnisverhütung). Dieses Engagement brachte ihm 1932/33 eine Verurteilung zu vierzehn Monaten schwerem Kerker ein . . . 

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Rasworschegg, Adi: Wo geh‘ ich hin? Eine Standortbestimmung der Menschheit, Verlag Monte Verita, Wien 1992

Antimilitarismus und Gewaltlosigkeit

„Jede Eroberung der staatlichen Macht - und dies ist der Inbegriff einer jeden politischen Revolution - bedarf der Gewalt. Wir wollen und erstreben die vollständige Vernichtung jeder Macht als politisch-soziales Zentrum innerhalb der Gesellschaft. Darum können wir uns nicht der Gewalt bedienen, sondern müssen sie zur Auflösung bringen, was nur durch die Gewaltlosigkeit erreicht werden kann.

Die politische Revolution bedarf als ihres Mittels der Gewalt; die soziale Revolution bedarf als ihres Mittels der Gewaltlosigkeit.

Wir ... wollen die Zerstörung der Waffengewalt, weil sie die Grundlage des kapitalistischen Eigentumsmonopols und des Staatsprinzips ist. Um diese Zerstörung zu erlangen, ist nötig:

  1. Die geistige und psychische Massenverweigerung des Waffendienstes durch die Arbeitenden;

  2. die geistige und die psychische Massenverweigerung jeglicher Erzeugung von Waffen und Mordwerkzeugen;

  3. die materielle und sabotierende Zerstörung sämtlicher Waffen- und Rüstungsbestände; die Verhinderung von deren Gebrauch und aller strategischen Verkehrsnotwendigkeiten für sie und die Verweigerung jedweder Arbeitsleistung und Nahrungsabgabe an alle bewaffneten Körperschaften, die ihre Waffen nicht freiwillig der Vernichtung überantworten.

Diese Methoden sind die wesentlichsten Übergangsmethoden der sozialen Revolution. Sie beinhalten keine Gewalt, sondern sie entziehen der Gewalt die Möglichkeit und jedwedes Gebiet ihrer Betätigung." (Pierre Ramus)

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Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft

Müller, Reinhard: Manifest der unabhängigen Socialisten (1892). Das erste anarchistische Manifest in Österreich. Edition Wilde Mischung, Band 22, Verlag Monte Verita 200

 

 

III. Veröffentlichungen aus den Reihen der Pierre Ramus Gesellschaft (chronologische Sortierung)

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IV. Periodika in der Nachfolge Pierre Ramus‘

 

Befreiung. Organ des herrschaftslosen Sozialismus für soziale und geistige Neukultur im Sinne des Friedens, der Gewaltlosigkeit und individuellen Selbstbestimmung; für freie Menschen und solche, die es werden wollen. Herausgegeben von Ferdinand Groß, Graz. Erschien von 1976 bis 1997 Erkenntnis. Zeitschrift der Pierre Ramus-Gesellschaft. Herausgegeben von der Pierre Ramus-Gesellschaft, Wien. Erscheint seit 1993, seit 2002 als reine Internetversion.


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